Muss es (doch) von der Seele schreiben…

Eigentlich, ja eigentlich.
Eigentlich wollte ich den Samstag unerwähnt lassen.
So hab’ ich das auch Kea gesagt, nachdem ich die verletzte Pfote fotografierte.
Eigentlich sollte es doch so bleiben – so schön, wie es jetzt war.

Aber es plagt mich eben doch! Immer noch!

Und zum Glück ist NIX passiert mit Evitas Krallen beim Sprint über das gefrorene Acker-Schollen-Feld!!!

20170121-krallen_vorne_rechts_unfall_allschwil

For Heaven’s Sake…
Doch es sieht schlimmer aus…

… als es schlußendlich war. Die Krallen haben wirklich GEHALTEN!
Lediglich das Krallenbett verletzt und die äußere Kralle steht nun schief.

Der Schreck sitzt noch immer tief, aber alles der Reihe nach:

Letzten Samstag, genau ein Tag nachdem der dritte Jahrestag nach der Biopsie war, bin ich mit Kea und ihren beiden Hunden nach dem Mittag spazieren gegangen. Wir sind diesmal in die Schweiz gefahren, weil bei uns in France Treibjagd angesagt war. Es war ein wundervoller Tag!

Ein Nachmittag wie im Bilderbuch: tiefblauer Himmel, Sonne pur und klirrend kalt – ein Frosttag eben, trockene Kälte, genau so, wie man sich den Winter wünscht!

Aufgrund des Dauerfrostes (auch am Samstag hatten wir sicherlich einige Minusgrade), waren die Pfade und Wege zwar Schnee bedeckt, aber eisglatt, weil sich der Schneebelag durch die stark frequentierte Benutzung wirklich verdichtet hatte. Kein Problem! Wir liefen immer schön am Rand, dort war der Schnee noch griffig 🙂

Die Idee einer Schneepromenade bei diesem herrlichen Wetter hatten sehr viele. Es war schon nahezu eine “Völkerwanderung”, permanent kamen uns fröhliche Zwei- und Vierbeiner entgegen. Finde das ideal, denn nur durch positive Begegnungen verknüpfen auch Hunde die Sozialkontakte positiv! Einen guten Kilometer lang war alles idealst. Unsere drei Hunde und auch die, die uns begneten, liefen frei ohne Leine und waren “super drauf”! Dachte schon darüber nach, dass ich dann nach dem schattigen Waldstsück wohl die Kamera für ein paar Sonnenfotos rausnehmen würde… da war es schon geschehen:

Fast gleichzeitig, als wir in die Sonne kamen, flitzte mit einem Mal  ein
kleiner struppiger Hund aus dem Wald direkt neben uns auf die Wiese…

Und logisch: Alle Hunde die vor und hinter uns waren, hinterher. Auch Dolly & Dug und auch Evita…

Doch plötzlich blieb mir fast der Atem weg –

VOR dem Struppi rannte ein HASE!!!

Ja, Ihr lest richtig! Ein HASE rannte tatsächlich über Wiese und Feld. Dort, wo immer ALLE Hunde frei sind. Auf dem Weg liefen ca. 30 Spazierende zu dem Zeitpunkt. NIEMAND hatte mit Wild gerechnet.

Es ging natürlich nicht lange, da war (m)ein Windhund am Dichtesten hinter dem Hase…
In vollem Tempo! Und das über den pickelharten Eisboden!
Und dann von der relativ dämpfenden Wiese über ein grob
gepflügtes Ackerfeld mit durchgefrorenen, grob geackerten Erdschollen!
und sie kam dem Hasen immer näher, bis beide zusammen im Wald verschwanden…

Ich war wie gelähmt und zog wie in Trance die Pfeife aus meiner Tasche… Tausend Gedanken schossen gleichzeitig durch meinen Kopf…

Ich hatte solche Angst, dass Evita sich auf dem steinharten Untergrund verletzt haben könnte – gar etwas gebrochen haben?… Oh, mein Gott! Und die Umgebung kannte sie auch nicht außerordentlich gut… Ein Stoßgebot zum HIMMEL

… und ich pfiff so laut ich konnte in die Pfeife.

Ich war vollkommen in Gedanken… den Blick fest Richtung Waldrand geheftet. Nur schemenhaft nahm ich wahr, wie rings um mich herum alles nervös rumrannte. Die Vierbeiner sprangen hechelnd quer durch die Menge, die Zweibeiner liefen auch viel schneller, alles war nevös. Ich war die einzige mit Pfeife.

Evita war NOCH nicht zu sehen… Es kam mir wie eine Ewigkeit vor! Ich konnte meinen Herzschlag fühlen… es pochte ganz oben, am Hals!

20170125-erschollen
Ich konzentrierte noch immer meinen Blick Richtung Waldrand, als plötzlich, ganz unverhofft eine Frau ohne Hund -fast im Stechschritt- frontal auf mich zukam:

«Siiiie! Jage’ mid’m Hund isch doo abr verbodde!»

??? Jagen? Mit DEM Hund??? … Wieso eigentlich ich??? …es sind doch alle Hunde dem Hasen nachgejagt… Oh Gott, Evita ist IMMER noch NICHT da… Diese Frau ging mir auf den Wecker! Ich hatte gar keine Zeit für sie! Was ist denn mit Evita? Mit ihren Pfoten, den Krallen? Hat sie wohl noch heile Beine? … Was mischt sie sich da eigentlich ein???

Das alles und noch viel mehr ging mir durch den Kopf. Mir brummte der Schädel. Diese unverschämte Attacke verschlug mir echt die Sprache! Und ich war wohl eine ganz Zeitlang still, aber als ich in das provozierende Gesicht blickte, riß mir der Geduldsfaden. Und dann war ich gar nicht mehr souverän. Eigentlich etwas, was ich nicht mag. Doch meine Nerven lagen blank. Zu groß war die Sorge. Mit lauter Stimme herrschte ich sie an, so dass sie vor Schreck den Schritt, den sie mir zu nahe kam, schnell zurückging. Zum Glück hielt sie jetzt “die Klappe” – sie spürte wohl, dass ich es Ernst meinte. Alle Leute starrten auf mich! Ja auf mich! Ich schaute wieder in Richtung Wald…  steckte mechanisch die Pfeife in meine Tasche.

PWEW! …und sah GOTT-SEI-DANK meine Elfe.
Von Weitem sah ihr Gang gut aus, kein Lahmen…

Völlig außer Atem kam Evita zu mir zurück; ihre blutigen Zehen an der rechten Vorderpfote waren bereits auf Distanz zu sehen… Ich lobte sie und prüfte alle vier Läufe, indem ich die Pfoten anhob und die Beine vorsichtig bewegte. Kein Fiepen, offensichtlicha auch keine Schmerzen. Gott-sei-Dank! Die rechte Vorderpfote hielt ich etwas länger in den Händen. Es war so schnell gar nicht ersichtlich, weswegen es so stark blutete. Die äußere und die mittlere Kralle waren betroffen und innen war eine Verletzung an der Zehe. Doch Evita stand fest darauf und lahmte nicht. Okay! Ich entschied mich, zumindest für einen kürzeren Spaziergang und streifte meiner Elfe das Zuggeschirr um, damit ich sie anleinen konnte. Nach kurzen vier Kilometern waren wir wieder am Auto zurück. Ich hatte keinen Blick mehr für das schöne Wetter… Bilder gab es auch keine mehr.

Wir hatten Glück im Unglück!

Was bleibt ist die Erinnerung und das Gefühl.
Ein fahler Geschmack. Etwas, das auf den Bauch drückt!
Als mich die Frau attackierte und alle anderen auf mich starrten, kam ich mir vor wie ein Verbrecher.

Es geht mir nicht aus dem Kopf und dieses Verhalten stimmt mich nach wie vor immer noch nachdenklich
… und es war der Auslöser für das Posting – obwohl ich ja eigentlich “Schwamm drüber” machen wollte.

Ist Euch so etwas Ungeheuerliches auch schon passiert?

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